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Konventionelle Baumwolle

Probleme des konventionellen Baumwollanbaus

Erfahren Sie warum der konventionelle Baumwollanbau Mensch und Natur massiv schädigt.

Baumwolle Ernte-Maschine

Die Textilwirtschaft und Baumwollindustrie

Ein Großteil der Textil-Wirtschaft ist geprägt von einem starken Konkurrenzdruck und Drang zur Gewinnmaximierung. Ein nicht unerheblicher Teil der Verbraucher möchte, verständlicherweise, möglichst günstig konsumieren. Gleichzeitig ist die Modewelt sehr schnelllebig, was heute noch In ist, ist morgen wieder Out und landet auf dem Müll.

Das sind nur einige Faktoren, die dazu geführt haben, dass Wirtschaftsformen entstanden sind, die von sehr kurzfristig denken geleitet sind und an einem rücksichtslosen Raubbau an der Natur und der Ausbeutung von Menschen beteiligt ist.

Wir werden hier die Hauptprobleme des Anbaus und der Verarbeitung der Baumwolle in der konventionellen Baumwollindustrie kurz erläutern.

Weltweiter Baumwollanbau

In über 80 Ländern der Welt wird Baumwolle auf zusammen ca. 35 Millionen Hektar Land (etwa die Fläche von Deutschland) angebaut . Der Bio-Anbau beträgt gerade einmal 1% davon, der Rest entfällt auf die konventionelle Landwirtschaft.

Auf der Südhalbkugel wird Baumwolle meist von klein Bauern noch per Hand bewirtschaftet (mit Ausnahme von Australien). Auf der Nordhalbkugel wird vornehmlich in durch-technisierten Großbetrieben angebaut.

Die durstige Baumwolle

Baumwolle zählt, zusammen mit Reis, Zuckerrohr und Weizen, zu den durstigen Pflanzen (Thirsty Crops). 1 kg Baumwolle benötigt bis zu 11.000 Liter Wasser. Das heißt die Herstellung eines T-Shirts aus Baumwolle verbraucht ca. 2700 Liter Trinkwasser (22 mal Baden). Allerdings verdunstet oder versickert über die Hälfte des Wassers wegen ineffektiven Bewässerungssystemen.

In vielen Anbaugebieten ist das Wasser ohne hin knapp oder wurde es durch den großflächigen Baumwollanbau. So kommt es in manchen Regionen zunehmend zu menschen gemachten Dürren. 

Der Einsatz von Pestiziden

Die Baumwollpflanze ist sehr anfällig für Schädlinge und Krankheitserreger. Keine andere Nutzpflanze wird daher so stark wie sie mit Pestiziden behandelt, um Ernteausfälle zu reduzieren. Auf mittleren und großen Plantagen ist die Pflanzendichte so hoch, dass präventiv eine noch größere Menge an Pestizide ausgebracht werden muss.

Die Folgen für Mensch und Umwelt sind verheerend, Pflanzenschutzmittel belasten die Äcker-Böden und deren Umgebung. Bei Regen werden die Schadstoffe ins Gewässer und in Flüsse, teilweise bis in Meer, geschwemmt. So wird auch außerhalb der Plantagen die Pflanzen- und Tierwelt stark geschädigt und die natürliche Lebensgrundlage der Region zugrunde gerichtet.

Maschinelle Baumwollernte

Die Maschinelle Ernte und Entlaubungsmittel

Um große Plantagen effizient bewirtschaften zu können werden Erntemaschinen eingesetzt. Diese Maschinen können hundertmal mehr ernten als es Pflücker per Hand an einem Tag schafft.

Allerdings werden bei der maschinellen Ernte auch unreife Baumwollkapseln und Blätter mit geerntet, was zu einer schlechteren Qualität der Baumwolle führt. Um die Qualität der Ernte zu verbessern werden die Pflanzen mit chemischen Entlaubungsmitteln vorbehandelt. Auch diese hochgiftigen Chemikalien verwehen und schädigen noch weiter Mensch und Natur.

Verarmung von klein Bauern

In den südlichen Ländern ist der Baumwollanbau oft die einzige oder wichtigste Devisenquelle. Solche Staaten fördern oft den Anbau von Baumwolle und verteilt Chemikalien und Saatgut. Mit dem Versprechen ihre Situation zu verbessern geben klein Bauern die traditionellen Anbaumethoden und Pflanzen auf.

Durch den Anbau der Baumwolle als Monokultur und ohne Fruchtwechsel werden die Böden schnell ausgelaugt und die Erträge sinken rasch. Der Einsatz von umweltschädlichen Kunstdüngern steigt und ebenso die Kosten. Nahrungsmittel, die die klein Bauern vorher noch selber angebaut haben, müssen nun eingekauft werden. So verarmen viele klein Bauern durch den Wechsel zur Baumwolle, der für Sie so hoffnungsvoll begann.

Lange Transportwege für Baumwollprodukte

Lange Transportwege

Nachdem die Baumwolle geerntet wurde, geht sie meist auf eine lange Reise. Häufig befinden sich einzelne Stationen der Produktionsketten, wie Spinnereien, Webereien, Konfektionierung und sogar die Marken-Etikettierung in verschiedenen Billiglohn-Ländern, die sich meist sogar auf verschiedenen Kontinenten befinden.

Eine nicht-öko Jeans kann dabei um die 60.000 km zurücklegen bevor sie bei uns im Laden landet. Die eingesparten Lohnkosten gehen dabei auf Kosten der Umwelt durch den CO2 Ausstoß der Transportmittel.

Baumwoll Verarbeitung

Inhumane Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen in den meisten Billiglohn-Ländern lassen sich nur als inhuman Bezeichnen. Akkordarbeit in 16 Stundenschichten, Überstunden, Lohndumping, sexuelle Übergriffe, Diskriminierung, Zwangsarbeit und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. Gewerkschaftliche Aktivitäten gibt es keine oder werden unterdrückt. Die NäherInnen werden giftigen Chemikalien ausgesetzt und Arbeitsschutzmaßnahmen sind meist gar nicht vorhanden.

Baumwolle

Positive Entwicklung

Insgesamt kann man der Baumwollindustrie eine verheerende Ökobilanz und unmenschliche Ausbeutung bescheinigen. Jedoch findet seit Jahren bei den Bauern, Produzenten und Verbrauchern ein Umdenken statt. Zunehmend wächst die ökologische und sozial verantwortliche Textilproduktion. Auch im konventionellen Anbau und der Weiterverarbeitung gibt es Impulse zu einer nachhaltigeren und sozial gerechteren Produktion.

Im Handel können Verbraucher nachhaltige und fair produzierte Bio Baumwoll Textilien anhand der Fair Wear, GOTS, Faitrade und ähnlichen Kennzeichnung erkennen. Es liegt in der Hand des Verbrauchers verantwortungsvoll und achtsam zu konsumieren und positive Entwicklungen weiter zu fördern.