Was ist Indigo, Aizome und Shibori?

Indigo
Das blaue Gold

Indigo ist ein Farbstoff der in über 800 Pflanzen vorkommt. Wobei nur eine kleine Zahl tatsächlich genug Farbstoff produziert, um effektiv zum Färben benutzt zu werden. Der Name "Indigo" leitet sich aus dem Altgriechisch ab und bedeutet so viel wie "das Indische". Indigo ist eines der ältesten Naturfarben und war schon in prähistorischen Zeiten weit verbreitet. 

In Europa wurde hauptsächlich Färberwaid, das auch den Farbstoff Indigo enthält (aber damals noch nicht so genannt wurde) zum Blau färben verwendet. Indigo wird aus der Indigopflanze (Indigofera tinctoria) gewonnen, diese liefert die dreißigfache Menge an Farbstoff im Vergleich zur Färberwaid. Schnell wurde das Färben mit Färberwaid verdrängt als der Handel von Indigo aus Indien etabliert wurde. Mit Indigo war das Blau färben einfacher, effektiver und günstiger. 

1878 wurde Indigo erstmals künstlich hergestellt vom deutschen Chemiker Adolf von Baeyer und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts bereits industriell hergestellt. Mit der industriellen Herstellung des Indigo Farbstoffs verlor der natürliche Indigo innerhalb kürzester Zeit völlig an Bedeutung.

Synthetisches Indigo wird aus Erdöl hergestellt. Der Ausgangsstoff Anilin ist ein starkes Gift, welches auch Blasenkrebs verursachen kann. Mithilfe von Formaldehyd, das krebserregend und giftig ist, hochgiftiger Blausäure und Natriumamid, das ätzend ist und für Gewässer hochgefährlich ist, wird das künstliche Indigo hergestellt. Die Produktion ist also durchaus für Gesundheit und Umwelt problematisch. Daher wird in der Textilindustrie mittlerweile weitestgehend auf andere Blaufarbstoffe zurückgegriffen. Nur bei der Herstellung von Jeansstoffen wird immer noch Indigo eingesetzt um das typische Aussehen mit Abriebstellen und Falten zu erreichen.

Als ein besonders schöner und kräftiger Naturfarbstoff, der mit sanften Mitteln Stoff färben kann, erlebt natürliches Indigo seit einer Weile schon eine Renaissance. Mittlerweile gibt es eine Reihe von kleine Labels die Jeans, Bettwäsche oder Babykleidung mit natürlichem Indigo auf umweltschonende Weise färben. Nicht nur sind Textilien die mit natürlichem Indigo gefärbt wurde schadstofffrei, sie haben sogar Eigenschaften, die sich positiv auf die Haut auswirken können.

Aizome - Indigo färben

Aizome
Mit Indigo färben

Indigo ist  nicht wasserlöslich, daher muss es erst reduziert werden, um dann an den Textilien wieder zu oxidieren. Reduziertes wasserlösliches Indigo, wird als Leuko-Indigo bezeichnet, und ist hell Gelb. Beim Färben setzt sich das Leuko-Indigo nur außen auf die Textilfasern. Kommt der Farbstoff nun wieder in Kontakt mit Sauerstoff oxidiert er und bekommt seine leuchtend blaue Farbe (daher mag der Spruch "ein blaues Wunder erleben" kommen). 

Indigo ist daher sehr waschecht und lichtecht. Allerdings kann Indigo von Baumwolle durch starke mechanische Beanspruchung abgerieben werden. Dadurch das der Farbstoff nur außen an den Fasern hängt und der Kern der Faser weiß bleibt, kommt es zu den interessanten Mustern auf lange getragenen und stark beanspruchten Jeans. Zurzeit ist es in Mode, dies gezielt einzusetzen, um neuen Jeans einen getragenen Look zu verschaffen. 

Heute wird zum Färben von Stoffen fast ausschließlich künstlich hergestelltes Indigo verwendet, da es deutlich günstiger ist und sich leichter in den sehr großen Mengen die benötigt werden herstellen lässt. Künstliches Indigo erzielt einen ähnlichen Farbton wie Natürliches, ihm fehlen aber einige der positiven Eigenschaften. Das natürliche Indigo ist deutlich beständiger und verblasst weniger schnell. Außerdem hat natürliches Indigo schmutzabweisende und antibakterielle Eigenschaften. 

In Japan ist das Färben mit Indigo ein altes traditionelles Kunsthandwerk und wir Aizome genannt. Früher war es einfachen Leuten in Japan untersagt Seide zu tragen. Daher wurde fast ausschließlich Kleidung aus Baumwolle getragen. Baumwolle lässt sich allerdings schlecht mit natürlichen Farbstoffen färben, ausgenommen von Indigo. 

Um die Kleidung schöner und individueller zu gestalten entstanden verschiedene Techniken des Reservefärbens die sich Shibori nennen.

Bei Samurais war Kleidung, die mit natürlichem Indigo gefärbte war, wegen ihrer schmutzabweisenden und antibakteriellen Eigenschaften höchst beliebt. Sie wurden unter ihrer Rüstung direkt auf der Haut getragen, so verringerte sich das Risiko von Infektionen, wenn es zu leichten Verletzungen kam. Neben der antibakteriellen Wirkung wird dem Indigo auch eine Insektenschutzwirkung nachgesagt.

Shibori
Blaumachen auf japanisch

Shibori ist eine japanische Reservetechnik beim Färben. Durch Abbinden, wickeln, falten, drehen, pressen oder abnähen des Stoffes wird beim Färben verhindert, dass der Farbstoff Teile des Stoffes erreicht. So ergeben sich sehr unterschiedliche und dekorative Muster. 

Shibori entstand ursprünglich aus der Not der Armen Leute, die nur wenig Kleidung hatten und diese von Zeit zu Zeit umfärbten. Daraus entwickelte sich eine traditionsreichen und hochgeschätzte Handwerkskunst. Ähnliche Farbtechniken entstanden weltweit, wie zum Beispiel das bei uns bekanntere Batik färben oder der Blaudruck.