Was ist ägyptische Baumwolle?

Ägyptische Baumwolle ist ein Synonym für Exklusivität und Luxus. Man findet sie als hochwertige Mako-Satin Bettwäsche in den Betten der feinsten Suiten der besten 5-Sterne-Hotels der Welt. Sie ist die erste Wahl für die teuersten und edelsten Maßhemden aus den renommierten und traditionsreichen italienischen Textilmanufakturen. Aber was macht die ägyptische Baumwolle, auch Giza Baumwolle genannt, so besonders und so begehrt?

Echte Giza Baumwolle kommt ausschließlich aus Ägypten

Zusammenfassung

  • Echte ägyptische Baumwolle wird auch als Giza bezeichnet
  • Sie zeichnet sich durch lange Baumwollfasern aus
  • Die langen Baumwollfasern sind besonders fest und lassen sich zu feinen und strapazierfähigem Garn spinnen
  • Stoffe aus ägyptischer Baumwolle sind besonders weich und langlebig und können gleichzeitig sehr fein sein
  • Sie sind auch sehr saugfähig
  • Stappellänge bestimmt die Qualität der Baumwolle
  • Ägyptische Baumwolle ist bekannt für ihre lang- und extralangstappeligen Sorten
  • Die Fadendichte ist ein Merkmal für die Qualität von Stoffen
  • Mako-Perkal bezeichnet einen edlen Stoff in der Leinwandbindung, der weich, atmungsaktiv und strapazierfähig ist
  • Mako-Satin bezeichnet einen edlen Stoff in der Atlasbindung, der besonders weich und glatt ist und einen gewissen Glanz hat
  • Giza-Klassen geben einen gewissen Aufschluss über die Qualität und regionalen Herkunft der ägyptischen Baumwolle
  • Die Sekem Initiative ist Vorreiter des Bio Baumwollanbaus in Ägypten

Der edle Stoff

Ägyptische Baumwolle hat eine besondere, nahezu legendäre, Qualität. Echte ägyptische Baumwolle wird als Giza Baumwolle bezeichnet. Die aus ihr gesponnen Garne sind besonders fein, weich und strapazierfähig. Aus diesem feinen Garn werden exquisite Stoffe gewebt, die für die edelsten Maßhemden und luxuriöse Bettwäschen verwendet werden. Durch die Strapazierfähigkeit der Giza Baumwolle sind die Textilien die aus ihr gewebt werden sehr langlebig und werden mit zunehmenden Alter immer zarter. Trotz ihrer Begehrtheit ist die Produktionsmenge der Giza Baumwolle aufgrund der Anforderung sehr gering, sie macht nur einen geringen Prozentsatz der weltweiten Baumwollproduktion aus. Ägyptische Baumwolle gilt als eine der feinsten, begehrtesten und teuersten Baumwollsorten der Welt.

Das einzigartige ägyptische Klima ermöglicht den Anbau von besonders hochwertiger Baumwolle

Was macht ägyptische Baumwolle so besonders?

Lange Baumwollfasern

Das warme und trockene subtropische Klima Ägyptens bietet beste Voraussetzungen für das Wachstum der Baumwollpflanze. So bildet die Pflanze Baumwollfrüchte mit besonders stabilen, weichen und langen Fasern aus. Die ägyptische Baumwolle zeichnet sich also durch die Länge der Baumwollfasern aus, die auch als Stapellänge bezeichnet wird. Die Länge der Baumwollfasern bestimmt wie, fein ein Garn gesponnen werden kann ohne an Festigkeit einzubüßen. 

Hohe Festigkeit des Garns

Garne aus ägyptischer Baumwolle sind besonders fest und die aus ihr hergestellten Gewebe sind besonders belastbar und sehr fein.

Hohe Saugfähigkeit

Ägyptische Baumwolle nimmt Flüssigkeit besonders gut auf. Das ermöglicht es, Stoffe mit satteren, leuchtenden und widerstandsfähigeren Farben zu produzieren. Die Saugfähigkeit ist auch optimal für Handtücher und Bettwäsche.

Handgepflückt

Das Ernten per Hand sorgt für weniger Verunreinigung der Baumwolle durch Blätter und Pflanzenteile und ergibt damit eine höhere Qualität als maschinell geerntete Baumwolle. Die Ernte per Hand belastet die Baumwolle auch weniger, sodass die Fasern vollständig erhalten bleiben.

Exzellente Qualität

Durch die lange Stapellänge kann die Baumwolle zu sehr feinem und widerstandsfähigem Garn gesponnen werden und in der Folge zu Stoffen von höchster Qualität weiterverarbeitet werden. Textilien aus ägyptischer Baumwolle sind daher feiner, weicher und widerstandsfähiger.

Ein höhere Stapellänge erlaubt es feinere Garne zu produzieren

Was ist die Stapellänge?

In Ägypten wird hauptsächlich die Langstapel (LS) und Extra Langstapel (ELS) Baumwolle angebaut, die für die feinen Mako Stoffe verwendet werden. Langstapel Baumwolle hat eine Faserlänge zwischen 27 mm und 34 mm. Aus den Fasern der langstapeligen Giza Baumwolle lassen sich feste und feine Garne produzieren, aus denen sehr schöne und weiche Stoffe gewebt werden können. Die Fasern der Extra Langstapel Baumwolle sind mindestens 35 mm lang und erreichen sogar teilweise eine Länge von 60 mm. Aus ihr werden die sehr feinen und weichen Garne für besonders edle Textilien gewonnen. 

Die gewöhnliche und am meisten verbreitete Baumwolle weltweit hat eine mittlere Stapellänge von 20-28 mm. Die Kurz Stapel Baumwolle mit unter 20mm Länge ist die günstigste Baumwolle, diese wird aber nur in geringen Mengen produziert.

  • Kurze Stapellänge – < 20 mm – Ostasien (China, Indien, Pakistan)
  • Mittlere Stapellänge – 20-28 mm – hauptsächlich USA aber auch Brasilien und Türkei
  • Lange Stapellänge – 27-34 mm – Ägypten, Sudan, Peru, USA, Indien
  • Extra Lange Stapellänge –  > 35 mm – Ägypten, Peru, USA

Die Fadendichte bestimmt die Dichte und Feinheit eines Stoffes

Was ist die Fadendichte?

Die Fadendichte ist eine wichtige Kennzahl bei der Qualität von Stoffen. Sie bezeichnet die Anzahl an Kett- und Schussfäden, die ein Gewebe pro Quadratzentimeter hat. Das bedeutet, dass die Kennzahl die Dichte eines Stoffs an gibt. Im Englischen wird die Fadendichte "Threadcount" genannt und in "threads per square inch" (Fäden pro Quadrat-Zoll) angegeben. Beide Angaben sind im Fachgeschäft gebräuchlich. 

Eine höhere Fadendichte ist meist mit einer höheren Qualität des Stoffes gleichzusetzten. Das hat den Grund, dass für eine höhere Dichte ein dünnerer Faden benötigt wird. Besonders dünne Fäden benötigen wiederum Baumwolle von höherer Qualität. Eine hohe Fadendichte produziert macht auch einen dichteren Stoff, was ihn ebenfalls wertvoller macht. 

Wird ein gezwirntes Garn verwendet, so wird jede Faser einzeln gezählt. So kann noch eine etwas höhere Fadendichte erreicht werden.

Bei hochwertiger Bettwäsche findet sich üblicherweise eine Angabe zur Fadendichte. 

  • TC 120 (19 Fäden/cm²) – gewöhnliche Bettwäsche
  • TC 200 (31 Fäden/cm²) – gute Qualität
  • TC 300–400 (46–62 Fäden/cm²) – Premium Qualität
  • TC 600 (93 Fäden/cm²) – Luxus Premium Qualität 

Theoretisch sind bei Baumwolle wohl Fadendichten bis TC1600 möglich. Wird ein Stoff zu dicht, verschlechtert sich allerdings die Atmungsaktivität und somit auch das Schlafklima. Welche Fadendichte man bevorzugt ist reine Geschmackssache oder kann auch Jahreszeitabhängig gewählt werden. 

In Ägypten wird vorwiegend die Langstapelige Baumwolle angebaut

Qualitätsunterschiede der Baumwollsorten

In der Botanik wird die Baumwollpflanze in mehrere Unterarten bzw. Gattungen unterschieden. Diese werden wiederum in viele weitere Untergattungen unterteilt, von denen die meisten allerdings Wildarten sind. Nur vier Kulturbaumwollarten sind wirtschaftlich von Bedeutung. 

Gossypium Barbadense: Wird auch die Königin der Baumwollsorten genannt, da sie die begehrten Langstapel (LS) und Extra Langstapel Fasern (ELS) produziert. Diese Gattung der Baumwolle stammt ursprünglich aus dem tropischen Amerika, wird aber heute weltweit in den Tropen und Subtropen kultiviert. Sie ist der Lieferant der begehrten Premium-Baumwolle: Peruanische Pima-, Supima-, Ägyptische-Baumwolle (Giza), Sea Island Cotton. Sie macht etwa 4% der Weltproduktion aus.

Gossypium Hirsutum: Diese Baumwollpflanzenart stammt ebenso wie die Barbadense aus dem tropischen Amerika. Ebenso wie diese, wird sie weltweit in den Tropen und Subtropen kultiviert. Ihre Qualität ist jedoch deutlich geringer. Da sie aber weniger anspruchsvoll ist, wird sie in weitaus größeren Mengen angebaut. Sie macht etwa 90% der Baumwollproduktion weltweit aus und liefert die mittel stapelige Baumwolle, die man bei alltäglichen Textilien, wie Kleidung und Heimtextilien, gewohnt ist.

Gossypium arboreum und Gossypium herbaceum: Sie stammt aus Asien und Afrika. Sie bildet nur sehr kurze Fasern aus und macht nur einen kleinen Teil der Weltbaumwollproduktion aus. Ihre Qualität wird als niedrig eingestuft.

Mako bezeichnet hochwertige Baumwolltextilien

Was ist Mako-Baumwolle?

Mako-Baumwolle, manchmal auch unter dem Namen Jumel-Baumwolle bekannt, bezeichnet ursprünglich die hochwertige ägyptische Baumwolle. Zu Mako-Textilien werden ausschließlich hochwertige Langstapel und Extra Langstapel Baumwolle verarbeitet. Der Begriff Mako bezeichnet die Verarbeitung, sprich die Webart, dieser Textilien. Meist wird aus ägyptische Baumwolle Mako-Satin und Mako-Perkal hergestellt. Mako Stoffe sind leicht und fein gewebt, sehr weich und teilweise von seidiger Qualität und leichtem Glanz.

Monsieur Jumel und der Garten des Herrn Mako

Die Bezeichnung Mako erlangten diese Stoffe bzw. die Baumwolle auf Umwege. Der französische Geschäftsmann Monsieur Louis Alexis Jumel entdeckte ca. 1820 diese kostbare Baumwolle auf seinen Reisen in Ägypten. Als Gast wurde er auf ein paar zur Zierde gepflanzten Baumwollstauden im Garten des Herrn Mako aufmerksam. Bei genauer Untersuchung stellte er fest, dass die Pflanze sich außerordentlich gut an die lokalen Begebenheiten angepasst hatte, und die Baumwollfrucht von besonderer Qualität war. 

Nach ein paar weiteren Experimenten und Untersuchungen war er überzeugt, dass der Anbau in ganz Ägypten möglich wäre. Er unterbreitete seine Pläne dem damaligen Regenten Ali Mehemet, der hoch erfreut war und jegliche Unterstützung gewährte. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten blühten der Anbau und Handel mit ägyptischer Baumwolle auf und wurde zu einer der Haupteinnahmequellen der ägyptischen Wirtschaft. In Ägypten und Frankreich war die Baumwolle anfangs noch als Jumel-Baumwolle bekannt. Die Engländer gaben der Baumwolle dann den Namen "The Mako Cotton", entsprechend dem Namen des Herrn Mako, in dessen Garten die Pflanze gefunden wurde.

Heute wird der Begriff Mako auch für hochwertige Textilien aus anderen langstapelige Baumwollsorten, wie Supima, Peru-Pima, USA-Pima, Isreal-Pima oder Sea Island Cotton verwendet.

Mako-Perkal

Der Begriff Perkal kommt aus dem Perischen "pargalah" (Tuch) und bezeichnet einen Stoff, der in der Leinwandbindung gewebt wurde. Diese Art der Verarbeitung ist besonders stabil und widerstandsfähig. Als Perkal werden nur Stoffe mit einer Fadendichte von 200 TC (31 Fäden/cm²) oder höher bezeichnet.  Der Stoff ist fest und hat eine glatte Oberfläche, die ihn sehr hautfreundlich macht. Trotz seiner Dichte ist er sehr atmungsaktiv. Er wird für Bettlaken, Bettwäsche, Hemden und andere Heimtexitilien und Kleidung verwendet. Mako-Perkal ist aus ägyptischer Baumwolle gefertigt und daher von besonderer Qualität und Güte.

Mako-Satin

Der Name Satin leitet sich ab vom arabischen Namen "Zaitun" für die chinesische Stadt Quanzhou, eine damals wichtige Seiden-Handelsstadt. Satin Stoff hat eine glänzende seidige Oberseite und eine matte Unterseite. Diese Besonderheit entsteht durch die Atlasbindung, wobei der Schussfaden im Wechsel mehrere Kettfäden überspringt.

Satin wird aus verschiedenen Fasern hergestellt, dazu zählen Seide, Viskose, Polyester und Baumwolle. Oft kennt man Satin als Polyester, das Seide imitiert aber bei weitem nicht so angenehm auf der Haut ist. Weniger bekannt ist die wunderbare Qualität des Mako-Satins. Mako-Satin besteht aus 100 Prozent Baumwolle und besitzt die angenehmen Eigenschaften von hochwertiger Baumwolle gepaart mit einem leicht seidenartigen und unglaublich weichen Gefühl auf der Haut. Mako-Satin ist ideal für Bettwäsche und besondere Kleidung.

Giza Klassen - der regionale Unterschied

Giza Klassen geben Aufschluss über Herkunft und Qualität

Giza-Klassen: der regionale Unterschied

Je nach den klimatischen Bedingungen unterscheiden sich Faserlänge und Feinheit der angebauten Baumwolle. Es werden in Ägypten unterschiedliche Züchtungen angebaut, die den lokalen Begebenheiten angepasst werden. Giza Baumwolle wird in verschiedenen Klassen gehandelt. Diese Klassen geben das Anbaugebiet und die Qualität von Faserlänge und Faserfeinheit an.

Zu den Extra Langstapel Sorten gehören Giza 45, Giza 70, Giza 87 und Giza 88. Diese Sorten machen zusammen ca. 20% der ägyptischen Produktion aus. Die teuerste, aller feinste und besonders hochgeachtete Giza 45 macht nur ca. 0,4% davon aus. 

Die Langstapel Sorten Giza 86, Giza 89, Giza 85, Giza 80 und Giza 90 machen den Rest der Produktion aus, wovon mit der Giza 86, die im Nil-Delta angebaut wird, 70% der gesamten ägyptischen Baumwoll-Produktion erwirtschaftet wird.

Skandal um falsche ägyptische Baumwolle

In den letzten Jahrzehnten verzeichnete die ägyptische Baumwollproduktion einen starken Rückgang. Dank des exzellenten Rufs um ihre sagenhafte Qualität blieb die Nachfrage nach Mako-Baumwolle aber weiter hoch. Es muss aber bezweifelt werden, dass viele, vor allem günstige, Produkte tatsächlich die echte ägyptischer Baumwolle enthalten. Dieses Problems nimmt sich die Egyptian Cotton Association an um Herstellern, Händlern und Verbraucher das Erkennen echter ägyptischer Baumwolle zu erleichtern. Dafür wurde ein Zertifizierungs- und Akkreditierungssystem aufgebaut, um einen nahtlosen Nachweis zu ermöglichen.

Trotz einiger Skandale über falsch ausgezeichnete ägyptische Baumwolle produkte aus minderwertiger Baumwolle hat sich die Nachfrage nach dem Original sogar erhöht. Die sinkende Produktionsmenge und die hohe Nachfrage haben die Preise in den letzten Jahren steigen lassen. Seit 2017 unternimmt die ägyptische Regierung aktiv Schritte um die Produktionsmenge zu erhöhen und die Qualität zu sichern.

Nachhaltige Landwirtschaft in Ägypten

Ägyptische Bio Baumwolle ist im Kommen

Nachhaltiger Anbau in Ägypten

Der konventionelle Baumwollanbau verursacht wegen des hohen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln große Probleme für Mensch und Natur. Hinzu kommt, dass die Pflanze sehr große Wassermengen benötigt um zu gedeihen. Es werden, auch wegen der Monokultur, große Mengen an Kunstdünger eingesetzt. Insgesamt hat herkömmliche Baumwolle eine sehr schlechte Ökobilanz.

In Ägypten setzt sich die SEKEM Initiative für eine biologische und nachhaltige Landwirtschaft ein. In den 90er Jahren konnte sie die ägyptische Regierung überzeugen, die Praxis, Pestizide mit Flugzeugen über Baumwollfeldern zu versprühen, zu verbieten. Damit reduzierte sich der Einsatz von Pestiziden um ca. 90%. Durch den Einsatz bio-dynamischer Anbaumethoden konnte auf den Farmen der Sekem Group der Wasserbedarf gesenkt werden. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass heute immer mehr ägyptische Bio Baumwolle produziert wird.

Ägyptisches Klima macht Giza Baumwolle besonders

Ägyptisches Baumwolle genießt einen ausgezeichneten Ruf

Die lange Tradition des Baumwollanbaus und die einzigartigen klimatischen Bedingungen Ägyptens verleihen der Giza Baumwolle ihre besonderen Eigenschaften. Ihre langen Fasern erlauben es, besonders weiche, feine und langlebige Stoffe herzustellen. Ob man nun Mako-Perkal oder Mako-Satin bevorzugt, und in welche Fadendichte diese verarbeitet worden sind, ist geschmacksabhängig.

Die exklusiven und luxuriösen Textilien aus ägyptischer Baumwolle erfreuen sich unter Kennern heute noch immer höchster Beliebtheit. Das unvergleichliche Gefühl, ein Hemd aus ägyptischer Baumwolle überzustreifen oder in Bettwäsche aus Mako-Satin zu schlüpfen, vergisst man nie.